Notizen von Adelaida: Bus EL16
'Woran soll man glauben, wenn die Liebe nichts taugt.Wo ist die Zuversicht wenn man sie braucht.Wie kann man verbergen, dass das Herz gefriert...'
Adelaida hat ihre Kopfhörer
auf. Sie hört Winter von Tim Bendzko. Es klingt traurig, aber sie mag das Lied
sehr gerne. Sie ist auf dem Weg nach Hause mit dem Bus. Jeder im Büro hat sie
gefragt, warum sie nicht mit ihrem Auto gefahren ist? So ein tolles Auto, der
neuste Audi A6. Jedoch hat sie das Auto immer nur zu Hause gelassen.
Aus Gründen des
Umweltschutz, was sie jedes Mal zu ihren Kollegen sagt, als jemand fragte. Es
gibt noch etwas was sie an diesem Bus so liebt. Es erinnert sie an eine
glückliche und doch schmerzhafte Erinnerung...
Alles begann vor fünf
Jahren als Adelaida gerade ihr Studium in Elektrotechnik beendet hatte.
„Sie können hier bei uns
nächste Wochen anfangen zu arbeiten. Ich freue mich darauf, mit Ihnen zu
arbeiten.“ sagte Herr Fischer, der Chef der Technikabteilung.
Nach dem
Gesprächsvorstellung machte ihr Herz kleine Sprünge als sie auf dem Weg
zum Bus war. Sie hatte jetzt einen Job und ein gemietetes Haus in der Nähe. Nur
20 Minuten mit dem Bus. Also... Was fehlt noch? Ein Auto!Das stand auf
Adelaidas Wunschliste.
Als der Bus an einer Haltestelle
stoppte, stieg eine Gruppe von ca. 20 Leute in den Bus ein. Adelaida schaute
die Leute an. „Oh, sie sind alle Menschen mit einer Behinderung.“ dachte sie
sich.
Eine Frau kommt und sitzt
sich neben Adelaida. Sie lächelt sie an. Dann komm noch ein Mann dazu. „Hallo!“
sagt er freundlich. Adelaida sagt wieder „Hallo“ und lächelt. Sie schätzt, dass
die beiden Ende Vierzig sind. Das Paar stieg an zwei Haltestellen vor Adelaidas
Haltestelle aus. „Tschüss. Ich wünsche dir einen schönen Abend.“ sagt der Mann
langsam Wort für Wort. Er war immer noch nett und freundlich.
„Gleichfalls. Komm gut nach
Hause!“ antwortete Adelaida aufrichtig. Diesen Wunsch wünschte sie jedem, weil
es stets jeder sagt.
Das Paar verbrachte
gemeinsam den Tag. Sie hat nur gelächelt bis sie zu Hause ankam.
Die Routine wiederholt sich
täglich, für zwei Monate.
Im dritten Monat, fragte
Adelaida mutig das Paar wie sie heißen. Die beiden heißen Jana und Julian. Sie
sind Geschwister.
Adelaida kann sich Julian
besser unterhalten als mit Jana.
Im Gegensatz zu Jana, die
nur einige Worte sprechen kann, kann Julian relativ gut sprechen. Nur er sprich
etwas langsamer als Menschen, die keine Behinderung haben. Julian versteht Jana
trotzdem wenn sie spricht.
Seit diesem Tag trifft
Adelaida die Geschwistern jeden Abend im Bus und sie tauschen Geschichten
über ihre Arbeit Tag für Tag aus. Adelaida mag es gerne was Julian zu erzählen
hat. Die Worte von ihm kommen ihr irgendwie so aufrichtig vor, wahr und
glücklich. Sie sind anders als jene Worte, die sie von den sogenannten normalen
Menschen hörte. So voller Hass, Eifersucht, Wut und all diese negativen Gefühle
hinter ihren schön klingenden Worten. Nur wenn man Glück hat, findet man jemanden, der meint, was er sagt. Eine
Person, die im Herzen noch „normal“ ist.
Adelaida erinnert sich
wieder an alle Nachrichten in der Zeitung. Überall, auf der Welt ist es
chaotisch. Betrug, Raub, unbeabsichtigte Unfälle mit Todesfolge, politische
Korruption, Krieg... Alles! Alles ist JETZT PASSIERT! Warum können die Leute nicht
zufrieden sein mit dem, was sie haben? Lebt euer eigenes glückliches Leben und
respektiert die Anderen. Wie Julian und Jana? Wie alle behinderten Leute in
diesem Bus? Die „normalen“ Leute sind krank! Gott gibt uns
nicht alles, so wie wir es haben wollen. Wenn man von Gier und Neid spricht... Die Liebe fehlt.
An einem Tag hat ein
schöner Audi A7 den Bus überholt. „Schön... ich kann nicht Auto fahren. Ich
möchte gerne in einem schönen Auto sitzen.“ sagt Julian.
„Soll ich einen Audi
kaufen? Dann können die beide bei mir mitfahren.“ fragt Adelaida.
„Klingt super!“ sagt
Julian. Und Jana hat ihre Daumen nach oben gezeigt.
Was du für immer
schätzt, wird dich eines Tages verlassen.
Nach der Arbeit war
Adelaida wieder froh, Julian und Jana zu sehen. Die drei haben wieder ein
lustigen Chit Chat gemacht. Als sie die Haltestelle erreichten, verabschieden
sich die drei voneinander. Adelaida schaute ihnen nach als sie die Straße
überquerten. Es ist jetzt auch eine Routine für Adelaida seit den letzten elf
Monaten.
Dann sah Adelaida auf die Straße. Da ist ein Auto. Es ist sehr
schnell. Adelaida hatte kein gutes Gefühl.
„Julian! Jana!“ schrie
Adelaida.
„Haltet den Bus an! Haltet
den Bus an!“ rief Adelaida und klopfte dabei an die Bustüren. Die Leute sahen sie an. Was ist mit dieser junger Frau?
Aber es war spät.
Als sie aus dem Bus stieg, wandte sie ihren Blick zu den Geschwistern. Sie sah,
dass Julian auf der Straße lag und blutete. Die Leute sagten, Julian
habe das Auto gesehen und daraufhin Jana weggestoßen. Er hat Jana gerettet.
Adelaida war wie erstarrt. Alles, was sie in diesem Moment tun konnte war Jana
anzustarren. Sie konnte kein Wort aus ihrem Mund bringen. Was dachte sie?
Adelaida bemerkt auch nicht die warmen Tränen, die über ihre Wangen floss. Vier Tage später, ging
Adelaida zu Julian Beerdigung. Alles was sie tun kann ist Jana zu
umarmen. Jana musste sich nicht um die Beerdigung
von Julian kümmern. Das hatte ein Bestattungsinstitut übernommen.
„Du wirst in den Himmel kommen, Julian.
Entschuldige, dass ich es nicht mehr geschafft habe dich in meinem Auto
durch die Gegend herum zu fahren.“ sagte Adelaida in ihrem Herzen.
Lieber Julian,
das beruhigende Gefühl, wenn ich dich ansehe, wenn ich dich höre, werde
ich immer in mir tragen. Ich werde versuchen, den Leuten einen schönen Tag zu
wünschen mit einem aufrichtigen Lächeln und ernst gemeinten Lächeln, wie du es
immer getan hast...
Damit wirst du für immer in meinem Herzen leben.
Damit werden die Leute wieder die Liebe und die Fröhlichkeit finden.
Liebe Grüße, Adelaida.
‚Ich darf die Hoffnung nicht verlieren.’
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