Saturday, May 13, 2017

Notizen von Adelaida: Bus EL16


'Woran soll man glauben,  wenn die Liebe nichts taugt.Wo ist die Zuversicht wenn man sie braucht.Wie kann man verbergen, dass das Herz gefriert...'


Adelaida hat ihre Kopfhörer auf. Sie hört Winter von Tim Bendzko. Es klingt traurig, aber sie mag das Lied sehr gerne. Sie ist auf dem Weg nach Hause mit dem Bus. Jeder im Büro hat sie gefragt, warum sie nicht mit ihrem Auto gefahren ist? So ein tolles Auto, der neuste Audi A6. Jedoch hat sie das Auto immer nur zu Hause gelassen.


Aus Gründen des Umweltschutz, was sie jedes Mal zu ihren Kollegen sagt, als jemand fragte. Es gibt noch etwas was sie an diesem Bus so liebt. Es erinnert sie an eine glückliche und doch schmerzhafte Erinnerung...


Alles begann vor fünf Jahren als Adelaida gerade ihr Studium in Elektrotechnik beendet hatte.


„Sie können hier bei uns nächste Wochen anfangen zu arbeiten. Ich freue mich darauf, mit Ihnen zu arbeiten.“ sagte Herr Fischer, der Chef der Technikabteilung.


Nach dem Gesprächsvorstellung  machte ihr Herz kleine Sprünge als sie auf dem Weg zum Bus war. Sie hatte jetzt einen Job und ein gemietetes Haus in der Nähe. Nur 20 Minuten mit dem Bus. Also... Was fehlt noch? Ein Auto!Das stand auf Adelaidas Wunschliste.


Als der Bus an einer Haltestelle stoppte, stieg eine Gruppe von ca. 20 Leute in den Bus ein. Adelaida schaute die Leute an. „Oh, sie sind alle Menschen mit einer Behinderung.“ dachte sie sich.


Eine Frau kommt und sitzt sich neben Adelaida. Sie lächelt sie an. Dann komm noch ein Mann dazu. „Hallo!“ sagt er freundlich. Adelaida sagt wieder „Hallo“ und lächelt. Sie schätzt, dass die beiden Ende Vierzig sind. Das Paar stieg an zwei Haltestellen vor Adelaidas Haltestelle aus. „Tschüss. Ich wünsche dir einen schönen Abend.“ sagt der Mann langsam Wort für Wort. Er war immer noch nett und freundlich.


„Gleichfalls. Komm gut nach Hause!“ antwortete Adelaida aufrichtig. Diesen Wunsch wünschte sie jedem, weil es stets jeder sagt.


Das Paar verbrachte gemeinsam den Tag. Sie hat nur gelächelt bis sie zu Hause ankam.


Die Routine wiederholt sich täglich, für zwei Monate.


Im dritten Monat, fragte Adelaida mutig das Paar wie sie heißen. Die beiden heißen Jana und Julian. Sie sind Geschwister.


Adelaida kann sich Julian besser unterhalten als mit Jana.


Im Gegensatz zu Jana, die nur einige Worte sprechen kann, kann Julian relativ gut sprechen. Nur er sprich etwas langsamer als Menschen, die keine Behinderung haben. Julian versteht Jana trotzdem wenn sie spricht. 


Seit diesem Tag trifft Adelaida die Geschwistern jeden Abend im Bus und  sie tauschen Geschichten über ihre Arbeit Tag für Tag aus. Adelaida mag es gerne was Julian zu erzählen hat. Die Worte von ihm kommen ihr irgendwie so aufrichtig vor, wahr und glücklich. Sie sind anders als jene Worte, die sie von den sogenannten normalen Menschen hörte. So voller Hass, Eifersucht, Wut und all diese negativen Gefühle hinter ihren schön klingenden Worten. Nur wenn man Glück hat, findet man  jemanden, der meint, was er sagt. Eine Person, die im Herzen noch „normal“ ist.


Adelaida erinnert sich wieder an alle Nachrichten in der Zeitung. Überall, auf der Welt ist es chaotisch. Betrug, Raub, unbeabsichtigte Unfälle mit Todesfolge, politische Korruption, Krieg... Alles! Alles ist JETZT PASSIERT! Warum können die Leute nicht zufrieden sein mit dem, was sie haben? Lebt euer eigenes glückliches Leben und respektiert die Anderen. Wie Julian und Jana? Wie alle behinderten Leute in diesem Bus? Die „normalen“ Leute sind krank! Gott gibt uns nicht alles, so wie wir es haben wollen. Wenn man von Gier und Neid spricht... Die Liebe fehlt.


An einem Tag hat ein schöner Audi A7 den Bus überholt. „Schön... ich kann nicht Auto fahren. Ich möchte gerne in einem schönen Auto sitzen.“ sagt Julian. 


„Soll ich einen Audi kaufen? Dann können die beide bei mir mitfahren.“ fragt Adelaida. 


„Klingt super!“ sagt Julian. Und Jana hat ihre Daumen nach oben gezeigt. 


Was du für immer schätzt, wird dich eines Tages verlassen. 


Nach der Arbeit war Adelaida wieder froh, Julian und Jana zu sehen. Die drei haben wieder ein lustigen Chit Chat gemacht. Als sie die Haltestelle erreichten, verabschieden sich die drei voneinander. Adelaida schaute ihnen nach als sie die Straße überquerten. Es ist jetzt auch eine Routine für Adelaida seit den letzten elf Monaten. 


Dann sah Adelaida auf die Straße. Da ist ein Auto. Es ist sehr schnell. Adelaida hatte kein gutes Gefühl. 


„Julian! Jana!“ schrie Adelaida. 


„Haltet den Bus an! Haltet den Bus an!“ rief Adelaida und klopfte dabei an die Bustüren. Die Leute sahen sie an. Was ist mit dieser junger Frau?


Aber es war spät. Als sie aus dem Bus stieg, wandte sie ihren Blick zu den Geschwistern. Sie sah, dass Julian auf der Straße lag und blutete. Die Leute sagten, Julian habe das Auto gesehen und daraufhin Jana weggestoßen. Er hat Jana gerettet. 


Adelaida war wie erstarrt. Alles, was sie in diesem Moment tun konnte war Jana anzustarren. Sie konnte kein Wort aus ihrem Mund bringen. Was dachte sie? Adelaida bemerkt auch nicht die warmen Tränen, die über ihre Wangen floss. Vier Tage später, ging Adelaida zu Julian Beerdigung. Alles was sie tun kann ist Jana zu umarmen.  Jana musste sich nicht um die Beerdigung von Julian kümmern. Das hatte ein Bestattungsinstitut übernommen.


„Du wirst in den Himmel kommen, Julian. Entschuldige,  dass ich es nicht mehr geschafft habe dich in meinem Auto durch die Gegend herum zu fahren.“ sagte Adelaida in ihrem Herzen.  


Lieber Julian,

das beruhigende Gefühl, wenn ich dich ansehe, wenn ich dich höre, werde ich immer in mir tragen. Ich werde versuchen, den Leuten einen schönen Tag zu wünschen mit einem aufrichtigen Lächeln und ernst gemeinten Lächeln, wie du es immer getan hast...

Damit wirst du für immer in meinem Herzen leben. 

Damit werden die Leute wieder die Liebe und die Fröhlichkeit finden.

Liebe Grüße, Adelaida. 


‚Ich darf die Hoffnung nicht verlieren.’


 

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